wir glaubten ja, einzigartig zu sein. natürlich nicht. wir glaubten, einen eigenen blick zu haben, und so war es auch. unter den blicken der anderen, umzingelt, überwacht, beschränkt in allem, glaubten wir, einzigartig zu sein.

und so war es dann auch. mit der großen zeitenwende waren wir einzigartig geworden, und sind es noch. was wir taten, wie wir glauben, uns zu erinnern, war anders. wir sahen, gingen, schrieben, tanzten, küßten einzigartig. nichts und niemand bringt uns davon ab, nachdem die große zeitenwende die große bestätigung brachte. alles, war wir waren, ist wie in bernstein gegossen. uralte insekten, für deren genetischen code sich niemand interessiert außer uns.

woraus wir schöpfen wurde groß durch die große zeit und wende. wer wären wir mit diesem blick, mit diesen erinnerungen, ohne den untergang des u-bootes, das unser beschränktes leben war. durch zufall und mit großer anstrengung fanden wir den ausgang und trieben oder schwammen auf die haut der zeit. und natürlich fiel es nicht schwer, die luft anzuhalten, für uns, die wir immer die luft als rationiert zu empfinden gelehrt waren.

das u-boot liegt da unten, in der zeit, der tiefe, wo die kraken sind. die luft, die es noch birgt, wird wohl muffig sein, durch die geschlossenen schotts dringt das wasser, langsam und unaufhörlich in dünnem rinnsal, einer versiegenden quelle gleich, die an kraft gewinnt, je stärker die korrosion um sich greift. das material ermüdet.

wären wir, was wir sind, ohne das große wenden der zeit. wieviel unserer erinnerung gehört uns, wieviel gehört denen, die uns beschränkten, was davon liegt noch im u-boot und liegt dort gut. getrieben an der oberfläche sehen wir hinab auf den friedhof der schiffe, die, untergegangen, unsere einzigartigkeit widerlegen. all diese schiffe auf dem grund, die garanten, die wächter über uns besondere, von denen es so viele gibt.

wir sollen und immer anders sein: unser schiff war einzigartig. oder war es seine besatzung.

am grund laufen die räume voll wasser, langsam und unabänderlich. in unseren ohren lagert das salz der erinnerung, während wir schwimmen und treiben und tanzen, schreiben und küssen. wir wählen, wer wir sein wollen, kapitän oder ratte. niemand verläßt das gesunkene schiff und es wurde kein notruf abgesetzt.

(26. November 2010)

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