diese kleinen fische schwimmen nicht weg. sie schwimmen nicht weg, wenn die kinder nach ihnen greifen, wenn das boot an land gezogen wird, nicht, wenn du den fuß in den see stellst. die kleinen fische weichen kurz aus, der schwarm teilt sich, nie schwimmt eines allein, immer hat es begleiter, und dann kommen sie alle zurück. und wenn du ganz still hältst, berühren sie deine haut und du siehst sie, doch fühlen kannst du sie nicht, eine hübsche laune des klaren wassers im see. und ich wünschte, sie schwömmen mit mir, aber sie bleiben in den flacheren zonen; die kleinen fische schwimmen nicht mit zu den tiefen stellen des sees, auf dessen grund der große fisch schläft und wartet und mit seinem schlaf die quellen am grunde bewacht, die an seinem körper entlang kaltes, dunkleres wasser zur oberfläche schicken. sieh nach. ich wünschte, die kleinen fische wären hier,

während ich auf dem kalten wasser über der tiefe treibe,

das gesicht in die sonne gedreht, fressen sie meine haut mit vielen küssen, und es dauert sehr lange, so klein sind die fische, und die sonne geht unter. und im mondlicht schmiegen die fische sich an mich für stunden und ich träume wieder den traum dieser einzigen kurzen nacht vor langer zeit: ich trieb unter wasser, ich trieb im schwarzen meer und ein sehr großer fisch glitt vorbei. die flanke des fischs eine schiffswand, die wand eines schwimmenden hauses, die oberfläche bevölkert mit kolonien von muscheln kraken korallen und quallen. begleitet von fischen. zerklüftet, schorfig und grindig, krater und scharfkantige risse. der sog der bewegung trieb mich auf die wand zu, ich schlug hart dagegen und mein blut verteilte sich über die muscheln. doch das blut war nur traum, ich erwachte im traum und die haut des fisches glitt an meinem körper entlang und verletzte mich nicht. und der fisch zog davon. und ich erwachte wieder und er lag mit dem schönen rücken zu mir und ich weckte mich mit einem kuß an seinem hals.

und erwachte. die kleinen fische bedecken mich träumend.

weit draußen, über der tiefsten stelle im see, treibt er. seit stunden ein lichtmond. und ich rufe mit dem ruf eines träumenden bleßhuhns und sehe, wie er sich umdreht und mit den ringen des wasser ans ufer schwimmt. und auf mich zukommt und lächelt und die fische von seinen schultern gleiten, von seinen hüften, und lächelt, und der mann neben mir wird wach mit dem kuß an seinem hals, und er dreht sich um. und die kleinen fische kehren zurück. wach auf. wach auch du auf.

(6. Juli 2001, zuerst erschienen im Weblog “freitagsfish”)

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