immer bestellt er lamm. nein, ich erinnere mich, daß er gar nicht bestellt, vielmehr wurde er mit einem schweigenden nicken begrüßt, mit rotwein versorgt und die kellnerin gab ihm feuer. war er in begleitung, wurde nur dieser die karte vorgelegt, die bestellung schweigend entgegengenommen. in seiner gesellschaft klapperten die teller nicht mehr, es klang wie rücksicht, aber an manchen abenden dachte ich, es wäre verliebtheit, vielmehr liebe, die alles versucht, unentdeckt zu bleiben. an diesem einen herbstabend, der in manchen jahren noch ein spätsommerabend gewesen wäre, in diesem jahr aber dunkler herbst; an diesem abend also würde er beginnen, seiner begleitung eine geschichte zu erzählen. noch bevor das erste glas rotwein getrunken wäre, wüßte ich, daß sie immer falsch erzählt worden wäre, schon immer, seit sie das erste mal von einem menschen erzählt worden ist. und obwohl der duft aus der küche zeigt, daß die lammkoteletts fertig, auf den punkt gebraten, die poren geschlossen sind und das rote fleisch nurmehr eine rosa erinnerung ist, zögert der kellner mit dem servieren, schenkt lieber wein nach, und hört so die ersten worte: es war einmal ein wolf in der falle, der sich gerade das bein abbeißen wollte, als die schafe kamen und ihn befreiten. und in diesem moment stellt die kellnerin das essen auf den tisch und fragt: aber warum?

weil sie weise genug waren, den tod zu befreien. und dann ließe er sie gehen: den kellner, um gleich noch eine flasche rotwein zu öffnen; die kellnerin, um etwas mehr pfeffer zu bekommen. und fängt an zu essen und dann lächelt er, zum ersten mal an diesem abend. und er würde sich wohl über den tisch beugen und sagen: und das ist erst der anfang der geschichte.

(24. September 2001, zuerst erschienen im Weblog “freitagsfish”)

Advertisements