Bei diesem Sturm konnte niemand geklopft haben; als sie dennoch öffnete, taumelte ihr ein Mann in die Arme. Er war naß und eiskalt, der Wind schlug ihr die Tür aus der Hand und unter seinem Gewicht fielen sie gemeinsam zu Boden. Der Filzvorhang, der den kleinen Flur gegen das Haus abtrennte, riß aus seiner Verankerung, er mußte danach gegriffen haben. Sie versuchte, nicht mit dem Kopf aufzuschlagen, bekam einen harten Stoß gegen die Rippen, es war das Gestell seines Rucksacks; und während sie es von sich wegschob und die Tür mit dem freien Bein zutrat, sah sie kurz den Eisregen, den der Orkan über die Ebene trieb.

Sie kroch unter dem Mann hervor und setzte sich auf. Der Sturm war nun wieder zu dem seit zwei Tagen vertrauten Pfeifen geworden, und sie hörte das Rascheln der Papierbögen, die der Wind von Ihrem Tisch geweht hatte und die jetzt im ganzen Raum niedersanken. Nur das Atmen des Mannes hörte sie nicht; und erst, nachdem sie die Schultergurte gelöst und den Rucksack von ihm heruntergezogen hatte, konnte sie ihn auf die Seite drehen und in sein Gesicht sehen. Bis auf einen kleinen Ausschnitt war es bedeckt von der zugezogenen Kapuze, seine Augen waren geschlossen, aber er atmete, seine Lippen waren rissig und blaurot gefroren. Die oberste Schicht seiner Wetterjacke war an beiden Schulterpartien aufgerissen, die flockige Zwischenschicht vollgesogen mit Wasser, die Hose schwarz von Nässe, die Schuhe voll Schlamm. Sie drehte ihn auf den Rücken, öffnete den Verschluß der Kapuze und zog den Reißverschluß der Jacke auf. Als sie die Hand in seinen Nacken schob, um ihn aufzurichten, schlug er die Augen auf.

Sie müssen aus den nassen Sachen raus.

Er versuchte, etwas zu sagen und hustete.

(März 2009)

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